Bevor ich meinen Fokus auf den Blog Istanbul-Inside setze und mich in dieses neue Projekt integriere, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass ich einst mit zerbrochenen Träumen aus Istanbul nach Hamburg zurückkehrte. Obwohl ich nun zum Herbst 2011 mit einer neuen Identität und einem neuen Status, nämlich als Politikwissenschaftsstudentin nach Istanbul auswandere, um dort 1 Jahr lang an der Maltepe Universität zu studieren, muss ich daran erinnern, dass ich meine Ambition und meine neue Leidenschaft für Istanbul aus den Niederschlägen geschöpft habe, die ich im Sommer 2010 erleiden musste.
In Wahrheit möchte ich nicht so gerne die einzelnen Details meiner durch Trauma bestimmten Erfahrungen benennen, doch ich verweise gerne darauf, dass ich im letzten Jahr mehrere Praktika im türkischen TV-Business angestrebt hatte, Zusagen erhielt, doch schließlich bei der Ankunft, Rückschläge erleiden musste. Ich versuchte es über Umwege bei etlichen Instituten, da mein Ehrgeiz und mein Wille diese Chance sich nicht entgehen lassen wollte. Ich setzte nur um dieser Chance wegen ein ganzes Semester an der Universität Hamburg aus. Ich arbeitete jeden Tag hart und kellnerte in Cafes und Restaurants, sparte mein gesamtes Budget zusammen und flog ganze 4 Mal innerhalb von 6 Monaten rüber nach Istanbul, um meinem Traum als Praktikantin in der türkischen Nachrichtenagentur näher zu kommen. Ich erhielt Zusagen, wurde eingeladen, ausgeführt, Träume wurden ausgeschmückt. Doch meine Erstrebnisse blieben unbezahlt.
Ich wurde immer wieder eines Besseren belehrt. In Istanbul reicht es nicht allein akademische Referenzen aufzuweisen.Ich kann heute noch immer den Moment nicht vergessen, als ich im Büro des TV-CHEFS von Kanal D, die der Dogan Holding angehört, saß, und mir folgenden Satz ganze drei mal anhören musste:
,, Liebe Gökcen, Sie sind sehr jung und dynamisch, das gefällt uns sehr, allerdings müsste ich erst erfahren, wie Sie morgens nach dem Aufwachen ausschauen, anders kann ich Ihnen kein Praktikum anbieten!”
Im ersten Moment begriff ich die unmoralische Botschaft, die dahinter steckte nicht und glaubte mit meiner naiven Haltung, dass ich vielleicht zu sehr geschminkt sei und deswegen eventuell unnatürlich erscheinen könnte. Völlig verwirrt erblickte ich dieses Arschloch und fragte ihn mit einer unsicheren Stimme, ob ich denn zu sehr mit Make-up bekleistert sei?
Doch er entgegnete und wiederholte immer wieder den gleichen Satz, bis mir schlecht wurde und ich regungslos das Büro verließ. Als ich völlig zerüttet zu Hause ankam und mir bewusst wurde, in welchem uncharmanten Millieu ich mich doch befand und was man von mir erwartete, nur damit ich ein Praktikum wahrnehmen konnte, entschloss ich mich Istanbul aufzugeben und zurück nach Hamburg zu kehren.
Ganze 6 Monate kämpfte ich für dieses beschissene Praktikum, arbeitete mehr als 200 Stunden als Kellnerin, bediente unzählige Menschen, kam schweißgebadet zu Hause an, versäumte wichtige Seminare an der Universität, und verschwendete auf meinen Trips nach Istanbul, bei denen ich von einem Vorstellungsgespräch zum Nächsten eilte, knappe 10.000 Euro. Doch wofür???
Damit ich mir von alten, beharrten Buschmännern anhören durfte, wie anziehend ich doch sei? Iehgitt mir kommt das Kotzen. Diese Bergaffen, und es waren wirklich viele, dachten allen Ernstes, dass ich ein dahergelaufenes Püppchen aus Hamburg sei, dass sie für ihre eigenen Vorteile und Bedürfnisse ausnutzen konnten. Von Show TV, über Kanal D, bis CNN Türk. Alles Schweine! Pfui!
Jetzt mag manch einer den Kopf schütteln und sich fragen, weshalb ich denn hier sowas veröffentliche.Das sei ja viel zu intim und privat. Aber genau darum geht es mir doch. Wieso sollte ich denn schweigen? Ich möchte meine Leser und andere junge Frauen darauf aufmerksam machen, wie wiederlich es im türkischen Business läuft und dass die Frau nichts weiter als eine laufende Sexmarionnette ist. Jedenfalls worauf ich hinaus möchte, ist folgende Tatsache, dass mir der zerbrochene Traum vom vorherigen Jahr einfach nur bewiesen hat, wie wichtig es ist, einen akademischen Abschluss zu erlangen. Ich kam niedergeschlagen zurück und investierte meine Energie und mein Potenzial in mein Studium und bewarb mich im Rahmen des Erasmusprogrammes an der Maltepe Universität in Istanbul. Ich möchte meinen Traum von Istanbul einfach nicht aufgeben.
Das Tolle an dieser kurzen, schmerzhaften Geschichte ist, dass der alte, haarige Herr von Kanal D, der mir diese amüsanten Worte zurief, Vorlesungen an der Maltepe Universität gibt und sogar eine eigenen Live-Sendung für Studentin moderiert. Ich glaube er wird sich freuen, wenn er mich dort zwischen den Studenten erblickt und ich ihm eine gemeine Frage während der Live-Übertragung stellen kann. Ich habe ihn nicht vergessen und seine pikanten Emails, die er mir im Nachhinein noch schrieb, habe ich auch nicht gelöscht. Ganz nach dem Pinzip: Man sieht sich zwei Mal im Leben.
Er war der Jenige, der mir leere Versprechen machte, und meine Träume nicht erfüllte, weil ich ihm nicht entgegenkam. Nun kehre ich zurück auf dem akademischen Weg und freue mich nur zu sehr auf die Konfrontation. Aus meinen Zeilen erfährt man sicherlich meine noch anhaltende Wut und Enttäuschung und diese wird solange in mir herumschleichen, bis ich für den Ausgleich dieser offenen Rechnung gesorgt habe.
Eigentlich wollte ich diesen Blog nur mit motivierenden und erfreulichen Ideen und Gedanken beschmücken, doch um in Wirklichkeit zu verstehen, warum dieser Blog entstanden ist und auf wie viel Emotionen sie beruht, ist es wichtig, diese Tatsachen aufzutischen.
Im Folgenden werde ich einige Bilder aus meinen ersten Tagen bei Kanal D uploaden und anschließend kann man dann meinen Text lesen, den ich schrieb, als ich kurzer Hand entschloss nach Hamburg zurückzukehren und den Traum von Istanbul aufzugeben.
Dieser Blog wird mehr als nur ein Touristguide sein. Hier werdet ihr einen Menschen kennen lernen, dessen Herz für Istanbul brennt. Meine Erfahrungen erzählen von mir und sind für euch.
Abbas Güclü von Genc Bakis auf Kanal D
Hier werden die Aufnahmen zurecht geschnitten
Die Bilder habe ich hochgeladen, um die Echtheit meiner Erzählungen zu beweisen. Also, liebe, junge Mädels, seid nicht naiv wie ich und stürzt euch nicht in utopische Träume. Folgt eurer Ausbildung, eurem Studium und strebt nach einem Abschluss. Anders wird man nämlich in fernöstlichen Ländern als Frau nicht für Vollwertig gehalten. Naja jedenfalls nicht von diesen TV-Monstrums.
So nun folgt mein Eintrag, den ich im Flugzeug schrieb, als ich nach Hamburg zurückreiste.
Zitat Anfang:
30.08. 2010
Vorbei der Traum von Istanbul
Etliche Moscheen ragen heraus aus der Ansammlung an Häusern. Hervorragende Moscheen mit majestätischen Minaretten, die eine Geschichte von Jahrhunderten und gar einem Jahrtausend erzählen .Nicht zu vergessen, die wohlbekannte Bosporus-Brücke , die den Orient und den Okzident miteinander verbindet .Es ist gigantisch von oben herab zu betrachten, wie solch eine einfache Brücke zwei bedeutende und doch so kontroverse Kontinente wie Europa und Asien miteinander verbinden kann. Dadurch nimmt diese Brücke eine wohl beachtliche Stellung ein. Ein Wahrzeichen ,das in der Tat hunderte Kulturen und im wahrsten Sinne des Wortes zwei Welten miteinander verbindet. Das Mittelmeer unter der Brücke schimmert in seinen blanken Farben und ich erkenne unzählbar viele kleine Boote und Schiffe ,die ihren Kurs scheinbar eingenommen haben und gedankenlos ihrer Route folgen. Ich erkenne sogar einige Vögel die über dem Meer augenscheinlich tanzend sich fortbewegen .Es wirkt alles so idyllisch .Von oben scheint diese Stadt wie ein Märchen zu sein und man vermag schnell melancholisch zu werden. Ein inspirierender Ausblick von oben.
Es ist Istanbul.
Ich fühle ein gigantisches Chaos in mir. Einen emotionalen Zusammenbruch. Eine Wut. Einen Hass. Eine zu tefst große Enttäuschung.Und nun spüre ich die heissen Tränen langsam über mein zartes Gesicht rollen.Sie hören nicht auf. Ich will schreien ,ich will weinen .
Ich möchte ,dass man meine Stimme erhört. Ich bin nicht Irgendjemand mit belanglosem Kummer.Niemand ist Irgendjemand.Ich fühle tiefen Schmerz in mir.
Wahrlich ich möchte mich mitteilen und deswegen habe ich entschieden zu schreiben. Ich möchte , dass auch andere Menschen erfahren , zu welchen Erleuchtungen ich gekommen bin. Denn jede Erkenntnis ist eine Weiterbildung .
Diese Weisheit habe ich vor einigen Jahren von einem persischen Philosophen gelernt, der auf einem Jahrmarkt für die Gerechtigkeit der Perser im Iran propagiert hat. Ich war angetan von seiner Überzeugungskraft in seiner Mimik und Gestik und ich beobachtete ihn genau.Er war ein weiser Mann und erkannte meine Aufmerksamkeit und Neugierde sofort.
” Kleines, ich sehe in deinen Augen, dass du sehr aufmerksam bist. Ich möchte dir eine sehr wichtige Weisheit auf dem Wege mitgeben. Geize niemals mit deinem Wissen. Wissen ist wertvoller als alles Geld auf dieser Welt. Lasse die Menschheit immer teilhaben an deinem Wissen. Nur so können wir uns weiterentwickeln.”
Bevor ich beginne über meine Erlebnisse und Eindrücke in dieser vermeintlich atemberaubenden Stadt zu berichten, möchte ich mich erst einmal vorstellen, damit es leichter wird, meine Gedankengänge und Gefühle nachzuempfinden.
Ich bin in Hamburg aufgewachsen und habe meine Schulbildung nach dem regulären Gymnasialmuster abgeschlossen und studiere nun Politikwissenschaften.
Meine Kindheit habe ich zum größten Teil mit Kindern aus deutschen Familien verbracht, während ich zu Hause vollkommen die Werte der türkischen Kultur pflegte.
Es war ein wirres aber auch farbenfrohes Hin und Her, welches meine Identität pluralistisch geprägt hat.
Den größten kulturellen Zusammenprall erlebte ich jedes Mal zur Winterzeit. Während ich in der Schule Weihnachtslieder sang und Plätzchen backte, erlebte ich zu Hause den heiligen Ramadanmonat mit seinen köstlichen Spezialitäten , meditierenden Gebeten und zahlreichen Besuchen. Auch wenn man als Aussenstehender dies als eine schwierige Situation für Kinder im Identitätszeitraum begreifen könnte, bin ich davon überzeugt, dass dieser Kulturelle Pluralismus eine wertvolle Erfahrung und Erweiterung des mentalen Horizontes ist.
Früh erkannte ich, dass ich sowohl deutsch als auch türkisch bin. Ich konnte keine dieser Kulturen abstreiten oder gar ablehnen.
Jedes Jahr wenn die Sommerferien eintrafen, sammelten sich alle meine Freunde und berichteten von Ihren Urlaubszielen, darunter Mallorca, St. Tropez, Österreich zum Skifahren und oft auch zum Reiterhof in den Süden.
Ich strahlte jedes Mal vor Glück, als ich voller Stolz sagen konnte, dass ich für ganze 6 Wochen in die Türkei reisen würde.
Meine Klassenkameraden waren jedes Mal erstaunt über den langen Zeitraum und beneideten mich. Seit ich denken kann, traten wir alljährlich pünktlich zu den Sommerferien die Reise in Richtung Istanbul an.
Ruhelos zählte ich jedes Jahr die Nächte bis zu unserem voranstehenden 3-Tägigen Roadtrip
durch Österreich, Italien und Griechenland in Richtung Türkei. Die Strecke umfasst eine Weitreiche von 4000 km und mein junges Geschöpf sehnte sich nur nach dem Moment die Grenze der Türkei endlich betreten zu können. Je länger ich im Auto saß und die undendlich vielen Bäume zählte, an denen wir vorbei fuhren, desto größer wurde meine Aufregung für die Türkei und es erschien in meiner jungen Seele als ein weit entferntes Paradies.
Doch umso größer wurde meine Sehnsucht nach Istanbul, der Stadt der bunten Lichter und der millionen Menschen , die scheinbar nie schliefen. Istanbul die Stadt des Lebens.
Sehr bald werden wir euch mit hautnahen Aufnahmen und Bildern der Istanbul-Inside Stories verwöhnen.
Wir werden sowohl schriftlich als auch über Bildmaterial und Videoaufnahmen euch das Leben in Istanbul vor Augen führen. Wir, zwei junge Studentinnen aus Hamburg, reisen nun aus ins Herz des fernen Orients und werden die spannenden und ereignisreichen Erlebnisse digital festhalten und mit euch gemeinsam teilen.
Was verbirgt Istanbul wirklich? Was zieht jährlich tausende Auswanderer in die Türkei, sprich nach Istanbul?
Seit 2009 wächst die Wirtschaft Istanbuls mit einem Prozentsatz von 11% stürzt Spitzenreiter China von seinem Thron. Istanbul entwickelt sich zu einem der begehrtesten Orte auf dieser Welt.
Wir wollen dieser Frage nachgehen und werden auf eigene Faust das Leben in Istanbul dokumentieren.
Wir nennen es Istanbul- Inside. Denn wir werden nicht von außen anhand von Geschichtsbüchern und selbsterklärten Wissenschaften die Geschehnisse und Entwicklungen beobachten, sondern direkt von innen. Als Einwohner der Stadt am Bosporus.
Istanbul- Inside wird euch über die neuesten Trends, politischen Folgen, wirtschaftlichen Prozesse, dem Nachtleben und über die schimmernde Leuchtkraft des Imperiums ISTANBUL auf dem Laufenden halten und euch in die Geschichte der Osmanischen Leitkultur verführen.
Macht euch gefasst auf eine spannende Reise in die tiefen Schluchten und Barrikaden der Istanbul-Affären.



